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Wunder - Wiener Hüfte

Noch nicht einmal richtig angekommen in meiner Herzensstadt und schon gehts um die Wiener Hüfte. Doch wer dabei an Sachertorte, Schlagobers und Kaffeehäuser denkt liegt völlig falsch. Ausnahmsweise!

 

Die Wiener Hüfte hat tatsächlich nichts mit Zucker, Schokolade und Wiener Schnitzel zu tun, auch wenn das unglaublich zu sein scheint.

 

Wiener Hüfte ist ein Begriff aus der Orthopädie und beschreibt eine Erfindung aus Wien, in deren Genuss ich vor zwei Wochen kommen durfte. Bei dieser Operationstechnik wird über einen kleinen Hautschnitt von 8 bis 11 Zentimetern am vorderen seitlichen Teil des Oberschenkels das neue Hüftgelenk passgenau eingesetzt. Dabei wird kein Muskel durchtrennt, keine Sehnen und Bänder verletzt und keine Nerven gereizt. Durch die schonende Operation kommt es kaum zu Blutverlust. Auch die Gefahr des "Ausrenken" ist wesentlich geringer, da keine stabilisierenden Muskeln verletzt werden.

 

Das "Wunder" kam für mich ein paar Stunden nach der Operation.

 

Mein Chirurg Prim. Dr. Johannes Holinka kommt ins Zimmer und fragt mich wie es mir geht und ob ich aufstehen möchte. Ich lächle verunsichert und das Physioteam, das ebenfalls ins Zimmer kam beobachtet mich ganz genau. Natürlich will ich cool sein und schiebe mein rechts Bein an die Bettkante.  Man hilft mir in meine knallgelben Plastikschlappen und bittet mich aufzustehen.

 

Irgendwie schaffe ich es tatsächlich, mich in die Vertikale zu begeben, assistiert von zwei Grasgrünen Krücken die mir meine fürsorgliche Schwester Renate bei meinem letzten Besuch mitgegeben hatte. Ich ging da bereits so schlecht, dass ich nicht mehr mit dem rechten Bein auftreten konnte. Hatte ja keine Ahnung , dass mein Hüftkopf eingebrochen war. 

 

O-Ton Prim. Dr. Holinka: Belasten Sie bitte das rechte Bein! Einfach draufsteigen!

 

Ich denke:  Der hat leicht reden, sportlich wie der aussieht und sicher kein Brösel Sachertorte zu viel an seinen Hüften.

 

Und dann hab ich es einfach gemacht! Ich stand auf meinem rechten Bein.

 

Aufrecht. Stabil. Sicher!

 

Prinzipiell bleibt mir selten die Sprache weg, aber in diesem Moment schwieg ich.

 

In den darauffolgenden Tagen übte ich mit dem Physioteam das Gehen mit Krücken und genoss die exzellente Pflege und Verpflegung im Evangelischen Krankenhaus Währing. Am 5. Tag machte ich mich auf den Heimweg.

 

Nun, 17 Tage nach meiner Operation war ich schon drei mal mein Frühstück einkaufen. Natürlich bin ich nicht die Schnellste, aber ich geniesse die täglichen kleinen Fortschritte und gehe in der Wohnung immer öfter ohne Krücke herum. 

 

Die Wiener Hüfte gibt mir jetzt schon eine neues Lebensgefühl. Mit und ohne Sachertorte!

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Tess (Freitag, 28 Mai 2021 09:14)

    ...ich liebe deinen Blog�

  • #2

    Nici (Freitag, 04 Juni 2021 17:54)


    das wunderbarste an Wundern ist, dass sie Wirklichkeit werden ❤️